Blog: Die Lolita auf der Convention (Kolumne)

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Thu, 19.06.14, 14:50
Kolumne

Foto 30915 von scarletsedusa
Eines der Dinge, die ich an der Lolita Mode so mag, ist die Tatsache, dass sich so viele verschiedene Leute zu ihr hingezogen fühlen.

Um sich von der Ästhetik von Lolita angezogen zu fühlen, braucht man keinen bestimmten sozialen Background, keine bestimmte Hautfarbe oder sexuelle Orientierung, politische Einstellung oder Musikgeschmack oder Bildungsniveau. Die Rüschen machen uns alle gleich, so sehr, dass man sich das „zivile Leben“ einer anderen Lolita oft nicht vorstellen kann. Allerdings gibt es eben doch eine Sache, die tatsächlich der Großteil von uns gemeinsam hat: das Interesse an der (Pop-)Kultur Japans, immerhin das Landes, welches den europäischen viktorianischen Stil in den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts adaptierte, und uns die zauberschöne Modeerscheinung schenkte, die wir heute als „Lolitamode“ kennen.

Oftmals wird gefragt, warum sich die Lolitaszene, und speziell Dunkelsüß, immer wieder auf den Anime Conventions einfindet, dem ureigenen Revier der Cosplayer, sind wir doch sonst (zumindest dem Klischee gemäß) so sehr darauf bedacht, uns von ebendiesen abzugrenzen.

Ich selbst, noch nicht sehr lange aktiv in der Szene, habe mich, letztes Jahr um diese Zeit ungefähr, so ziemlich dasselbe gefragt. Denn die DoKoMi 2013, die ich besuchte, weil ich mich spontan für die dort stattfindende Modenschau beworben hatte, war meine allererste Con, und eine für mich einigermaßen beeindruckende Veranstaltung. Allein die schiere Masse an Menschen, an Cosplayern und Lolitas!

Im Laufe dieses Tages haben sich verschiedene Ansätze für Antworten ergeben, und später, nachdem ich etwas mehr Einblick hatte, noch einige mehr. Im Folgenden will ich einige davon erläutern.

Neben dem bereits erwähnten Aspekt, dass das Interesse an japanischer Popkultur und deren Ästhetik ein Gros der Lolitas eint, ist da noch der offenkundige Aspekt, dass einige Lolitas eben auch selbst Cosplayer sind. Manche Mädchen, die ich auf der DoKoMi getroffen habe, waren einen Tag in Lolita da, und den anderen im Cosplay.

Anders herum interessieren sich natürlich auch viele Cosplayer und andere Japanbegeisterte auch für Lolitamode. Dies führt zu zwei Tatsachen: Erstens ergibt sich dadurch, dass quasi automatisch ein aufmerksames Publikum da ist, für Panels und Modenschauen und etliches mehr. Andererseits bieten Conventions auch die Möglichkeit für an der Mode Interessierte, über den voyeuristischen Aspekt hinaus und mit Lolitas ins Gespräch zu kommen. Es ist also eine Gelegenheit für „Lobbyarbeit“, eine Chance, die Szene so darzustellen, wie sie sich aus Sicht der Angehörigen derselben anfühlt.  Wir als aktive Lolitas können dort über unser Hobby informieren, und zwar sowohl Leute, die Interesse daran haben, selbst den Stil zu tragen, als auch welche, für die das Konzept etwas völlig Neues ist, und auch die notorischen Skeptiker („Das sieht nur gut an Asiaten aus!“) und Kritiker („Ihr seid unemanzipiert!“).

Nicht zu vernachlässigen ist natürlich auch der Fakt, dass Conventions ein viel größeres Einzugsgebiet haben als ein regionales Lolitatreffen es meist hat. Man trifft dort auch Lolitas, die man sonst selten sieht, weil sie weit weg wohnen, oder man trifft überhaupt erst Menschen, die man nur aus dem Internet kennt endlich im „realen Leben“. Es ist also der perfekte Platz, um sich auszutauschen, alte Bekanntschaften zu erneuern und neue zu machen.

Eher eine praktische Beobachtung meinerseits ist auch, dass die Conventions das Lolitajahr in Abschnitte einteilen und strukturieren, wie es die christlichen Feste für das Kalenderjahr tun: ebenso wie man sagt, dieses oder jenes wird vor, oder nach Weihnachten passieren, sagen wir vor oder nach der AniMagic/der Connichi/der DoKoMi. Das sind Zeitmarken, mit denen jede Lolita etwas anfangen kann.

Die Möglichkeit des Schaulaufens, welche die Conventions darstellen, kann ein Anreiz sein, eine Coord fertig zu stellen, eine Frisurtechnik zu erlernen, oder auch gleich ein ganz neues Kleid zu kaufen. Apropos kaufen: auch das Angebot an Kleidern und Accessoires für Lolitas wird ja auf Conventions immer größer, nicht zuletzt Dank Dunkelsüß. Auch das ist ein Grund, mal vorbeizuschauen.


Über die Autorin
[?Calliope?], aktive Lolita seit 2012 und Schreiberling aus Leidenschaft, schreibt für Dunkelsüß eine regelmäßige Kolumne zu lolitabezogenen Themen, welche ihre eigenen Erfahrungen und Ansichten wiedergibt. Themenvorschläge und Wünsche nimmt sie gern per Briefchen oder anonym http://ask.fm/Calliope23 an.

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von [user:Miss-rottenmeier] · 14 Kommentar(e) · kommentieren · bearbeitet: Thu, 19.06.14, 23:19 von (Gast)

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