Blog: MdM August 2016: Schneeregen

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Fri, 12.08.16, 17:26
Mitglied des Monats

Foto 35870 von schneeregen
Mitglied des Monats August 2016 ist Schneeregen. Sie heißt Daniela, ist 26 Jahre alt und wohnt zur Zeit in Dortmund, wo sie ihren Master in Medizinphysik macht. Sie ist die Hauptorga der Ruhrpott-Treffen Loli Pott und trägt am liebsten Classic Lolita. Ihre Lieblingsmarken sind Innocent World und Infanta.


Wann und wo bist du diesem Stil zum ersten Mal begegnet?
Das merkwürdige ist, dass ich überhaupt nicht mehr weiß, wo ich den Stil das erste Mal gesehen habe. Was ich weiß, ist, dass ich mir zu Weihnachten 2010 in den Kopf gesetzt hatte, ein schönes, mädchenhaftes und knielanges Kleid haben zu wollen. Nach erfolgloser Suche habe ich mich erinnert, dass es so etwas in der japanischen Popkultur gibt und habe angefangen zu googeln. Irgendwie bin ich dann auch auf „Lolita“ gestoßen und wusste: Das ist genau das, was du dir vorgestellt hast.

Was war dein erstes richtiges Lolita Item?
Nach einem gescheiterten Versuch bei einem Fake-Shop - das Kleid war natürlich nicht zu Weihnachten da - und einem improvisierten Outfit aus den Läden in der Stadt, wollte ich gerne ein richtiges Lolita Kleid bestellen. Metamorphose hatte mich dann vom Stil direkt angesprochen, süß mit Classic-Einflüssen - mehr wie Btssb heute - und ich habe mir direkt einen JSK bestellt. Der war und ist auch immer noch wunderschön, aber er ist mir natürlich viel zu kurz. Damals wusste ich noch nicht, worauf ich mich da mit der Größe einlasse.

Wann und wo warst du das erste Mal auf einem Treffen?
Ich war im Dezember 2011 bei der Dunkelsüß-Modenschau in Bonn dabei. Alle waren sehr nett und ich habe mich direkt wohl gefühlt. Mein erstes richtiges Treffen war dann das Ancient Rose im Februar 2012. Da habe ich wieder viele nette Menschen getroffen und wusste, dass Treffen mir richtig Spaß machen. Damals wohnte ich noch in Jülich und die Anfahrt ins Ruhrgebiet war recht weit. Umso glücklicher war ich, als ich dann von den Aachener Treffen Aix-La-Chapelle erfuhr, als ich zwei Mädels aus der Ecke zufällig auf einem Treffen in Düsseldorf kennen lernte.
Dummerweise bin ich dann natürlich wenige Monate später von Jülich nach Dortmund gezogen. Trotzdem bin ich immer wieder nach Aachen gefahren und habe dort auch Treffen organisiert. Bis ich 2014 mich endlich getraut habe, das „Loli Pott“ zu starten und damit selbst Treffen im Ruhrgebiet zu organisieren. Zum Glück ist Natosch direkt mit dem Golden Rhenania mitgezogen, so dass wir uns nun beim Organisieren der Treffen im Ruhrgebiet und im Rheinland ergänzen können.
Seit meinem ersten Treffen sind viele Lolitas gekommen und gegangen, aber geblieben ist, dass es alles sehr offene und vor allem nette Menschen sind, die Lolita tragen. Eine angenehmere Community kann man sich, glaube ich, kaum wünschen.

Was hält dein Umfeld von diesem Hobby?
Das ist total unterschiedlich. Wie bei jedem Hobby, teile ich es mit meinen Freunden, die ebenfalls Lolita tragen und mein restliches Umfeld toleriert es, egal ob sie es hübsch oder komisch finden, dass ich aufwendige Kleider trage. Die Reaktionen sind dennoch meistens positiv.
Nur meine Mutter weiß aber, glaube ich, immer noch nicht, was sie davon hält. Irgendwie findet sie es ja schon schön, aber ist verwirrt, warum ich das trage. Sie ist jemand, der mit seiner Kleidung nicht auffallen möchte und wenn dann nur positiv. Mir ist es, wie den meisten Lolitas wahrscheinlich egal, wie die Reaktionen sind, solange ich mich darin wohl fühle. Wenn ich Komplimente bekomme, freut sie sich aber meist mehr als ich.
Mein Freund kann mit Lolita überhaupt nichts anfangen. Er ist da eher praktisch veranlagt. Ich habe meine Hobbies, er seine und das klappt sehr gut.

Zur welcher Gelegenheit trägst du Lolita?
Ich trage Lolita auf Treffen, zu Ausflügen zu schönen Orten, deshalb immer mindestens einen Tag im Urlaub und wenn ich einfach mal Lust habe, mich aufzurüschen und in die Stadt zu gehen.
Leider empfinde ich Lolita, so schön es ist, als sehr anstrengend und bin trotz eines schönen Tages abends froh aus den Sachen raus zu sein. Das sind einfach zu viele Gummis um die Taille.
Für jeden Tag ist das dann schlicht zu viel und würde mich auch stören. Ich habe nur ein, zwei Kleider, die ich gerne auch mal ohne Petti zur Uni trage. Allerdings bin ich auch damit immer schon heillos overdressed.
Zudem gibt es so viele andere Stile, die ich gerne im Alltag trage, die ich ebenfalls sehr mag und die vielleicht auch eher meine Persönlichkeit widerspiegeln. Diese sind dann eher eine Mischung aus niedlicher Spitze und lässigen Schnitten.
So ist Lolita für mich das, was für andere vielleicht die formelle Kleidung ist. Ich nehme mir Zeit, um mich selbst hübsch darin zu fühlen. Das ist dann immer etwas ganz Besonderes.

Was war bisher dein schönstes Erlebnis in Bezug auf Lolita?
Das Schönste sind wirklich die Reaktionen von Leuten. Ob es der Junge ist, der seine Mutter fragt, ob er auch sowas tragen kann oder andere junge Menschen, die einem sagen, dass sie es cool finden, dass man das trägt, was einem gefällt. Letztens hatte ich sogar eine Mutter im Bus, die ihrer Tochter ganz richtig erklärt hat, dass jeder das trägt, was ihm gut gefällt und dass sie findet, dass es mir steht. Ich habe mich so gefreut, dass jemand das einfach so versteht und habe sie dick angegrinst.

Was würdest du gerne mal mit Lolita ausprobieren?
Ich würde so gerne Fotos in einer richtig alten Bibliothek machen. Als Classic Lolita zwischen einem Berg von Büchern, mit einer märchenhaften, geheimnisvollen Atmosphäre. Bücher finde ich total faszinierend und ich liebe die Haptik fast mehr als den Inhalt. Deshalb hätte ich total Spaß an so einem Shooting.
Leider gibt es im Ruhrgebiet sowas wie alte Bibliotheken nicht, da muss man wahrscheinlich weiter fahren. Wenn jemand eine richtig schöne kennt, dann immer gerne her damit! Ich würde da auch extra für hinfahren.
Außerdem möchte ich demnächst mal ausprobieren, Kodona zu tragen. Ich hatte das schon immer im Kopf, hatte das aber nie konkretisiert. Akira auf der Tea Party "Under the Sea" zu sehen, war der letzte Schubs in die Richtung, es einfach mal zu probieren. Jetzt suche ich noch die Teile zusammen, die nicht zu teuer sind. Das wird dann auch das erste Mal sein, dass ich Lolita mit Perücke trage.

Was machst du außer Lolita?
Ich schreibe fiktionale Geschichten oft im Bereich der Phantastik, aber auch alltägliche Geschichten und die ein oder andere Romanze. Ich bin sehr gerne kreativ und Schreiben ist eine Form davon. Man kann abstrakte Ideen zusammensetzen, um etwas Neues zu erschaffen. Ähnlich wie bei Lolita, da kann man immer wieder neu kombinieren.
Viele Sachen lade ich dann auch auf meinen Schreib-Blog hoch. Anderes möchte ich gerne über einen Verlag veröffentlichen.
In einer Geschichte habe ich auch einen Charakter der Lolita trägt. „Hannah“  ist nur ein Nebencharakter, spielt aber eine wichtige Rolle für die Geschichte. Ich freue mich darauf, sie endlich in Aktion schreiben zu können.
Ansonsten mache ich auch noch Kampfsport, Karate und Kung-Fu, was sich ganz gut ergänzt. Gerne würde ich dazu mal einen Lolita Martial Arts Kurzfilm drehen. Das wäre sicher ziemlich cool.

Hast du durch Lolita etwas gelernt?
Wo fange ich an? Einmal habe ich gelernt, aufmerksam meine Kleidung auszuwählen und zu koordinieren. Ich gebe mich nicht mehr mit schlechter Qualität zufrieden; ich weiß welche Farben zusammenpassen und habe gelernt, was man mit Haaren so anstellen kann - besonders flechten tue ich jetzt total gerne - und lerne immer noch dazu.
Ich habe meine Leidenschaft für Blümchen und Mädchensachen wieder entdeckt und bin noch mutiger geworden, das anzuziehen, was mir gefällt.
Ich habe gelernt, dass es unglaublich viele Mädchen gibt, die einfach sie selbst sind und dabei richtig cool. Diese Freundschaften würde ich nicht missen wollen.

Wie könnte sich Lolita nach deiner Meinung weiter entwickeln?
Ich glaube Lolita wird immer individueller werden. Wir sind von süßen Spitzenkleidern schon so weit gekommen, dass wir Kleider in unterschiedlichsten Ausführungen kaufen können, die alle von unterschiedlichen Epochen und Einflüssen inspiriert sind. Durch den Markt in China, der immer zugänglicher wird, und die Indie Designer bei uns, gibt es viel mehr Auswahl an Stilrichtungen für jeden Geschmack. Es wird einfacher, ohne es selbst zu nähen, an Teile zu kommen, die genau das verkörpern, was Lolita für einen selbst ist.
Ob man es lieber schlicht mag oder extrem aufwendig, für jeden ist etwas dabei. Was alle teilen, ist der Gedanke, sich selbst hübsch zu fühlen in einer Mode, die niedliche aber auch elegante Anteile hat.
Ich hoffe, dass das nicht dazu führt, dass die Mode sich dadurch zu sehr in Gruppen aufspaltet, sondern sich lieber durch die Vielfältigkeit immer wieder selbst neu erfindet.



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von [user:Quini] · 6 Kommentar(e) · kommentieren · bearbeitet: Sun, 09.10.16, 23:15 von Rommily

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