Interview: Shades of Wonderland – Miriam Loetz, Sandra Grimme


25.02.2014, von Quini

Buch-Cover

Shades of Wonderland – so heißt der erste Bilderband überhaupt, der nicht nur die Designer sondern auch uns, die Trägerinnen japanischer Street Fashion vorstellt. Auf über 500 Seiten werden japanische Labels wie u.a. Alice Auaa, Atelier Pierrot, h.Naoto, Angelic Pretty (RinRin Doll), Alice and the Pirates, Baby, the stars shine bright, Broken Doll, Edge of Darkness, Innocent World, Juliette et Justine, Millefleurs, Takuya Angel und Vierge Vampur gefeiert.
Aber auch bekannte westliche Designer wie u.a. P-i-n-k-y, Doll Delight, Ergi, Gloomth oder 4 O’Clock zeigen uns, wie die japanische Modewelt sie inspiriert hat. Besonders stolz sind wir darauf, dass es auch einige Dunkelsüß Mitglieder ins Buch geschafft haben!

Dunkelsüß spricht mit den beiden Autorinnen Scarletsedusa und Miriam Loetz.

Foto 30168 von scarletsedusa

Das Buch erscheint im März im Verlag werkbank030. Magst du uns den Verlag kurz vorstellen?

Miriam: Wir sind ein Berliner Verlag, der 2010 von Guido Alt und Michael Cramer gegründet wurde. werkbank030 ist spezialisiert auf Bildbände zu außergewöhnlichen Themen im Bereich Mode, Tattoo und Lifestyle. Wir wollen die eher ungewöhnlichen Themen aufgreifen, die unglaubliche Vielfalt zeigen, wie Menschen leben, was sie lieben, ihre Passionen vorstellen und auch erklären.
Wir machen quasi einen Blick durchs Schlüsselloch möglich, ohne dabei voyeuristisch zu sein. Dabei haben wir immer die Ästhetik im Blick. Unsere Bücher sind natürlich für die Anhänger der jeweiligen Szene. Aber auch Menschen, die sich einfach nur für andere Lebenswelten interessieren, ohne gleich selbst eintauchen zu wollen, haben Spaß an unseren Publikationen.
Unsere Tattoo-Bände schaut man sich auch gerne an, wenn man nicht selbst von oben bis unten tätowiert ist. Und Shades of Wonderland ist nicht nur für Lolitas gemacht, sondern interessant für jeden, der was für Mode, Kunst und Lebensfreude übrig hat.

Was hat dich dazu bewegt ein Buch über japanische Mode zu machen?

Miriam: Als ich vor ca. zwei Jahren in meiner Heimatstadt Düsseldorf, zufällig am Japantag, zu Besuch war, bin ich am Hauptbahnhof auf eine Gruppe Lolitas gestoßen - Auffällige Perücken, pastellfarbene, ausgestellte Kleider, viele Accessoires, Plateauschuhe und Plüschhandtaschen. Ihr puppenhaftes Aussehen hat die Aufmerksamkeit aller wartenden und vorbeilaufenden Menschen geweckt und auch ich blieb stehen, um sie genauer zu betrachten.
Damals war mir natürlich noch nicht klar, dass es sich um (Sweet-) Lolitas handelte, sondern ich dachte an Kostümierungen aus einem Manga-Comic. Das weiß ich natürlich heute besser. Da wir in der Redaktion ständig auf der Suche nach interessanten Themen fernab des Mainstreams sind, hab ich das Thema in der Redaktionssitzung vorgestellt. Und alle waren gleich von der Idee überzeugt. Das war der Startschuss für Shades of Wonderland.

Wie bist du auf Dunkelsüß gestoßen?

Miriam: Ich startete meine Recherche auf japanischen Sites, stieß aber ziemlich schnell auf große Sprachbarrieren. Viele von Euch werden das Problem sicher kennen. Ganz selten waren die Seiten übersetzt und wenn ich dann den persönlichen Kontakt gesucht habe, konnte mein Gesprächspartner entweder nur gebrochen oder gar kein Englisch. Aber auch im deutsch- und englischsprachigen Raum war die Recherche nicht so ganz einfach.
Wie ich feststellen musste, war die Berichterstattung in den Medien eher einseitig. Es wurde viel von Kostümierung und verrückten, pubertierenden jungen Mädchen gesprochen. Über die Mode selbst, die verschiedenen Stile, den Ursprung und die Designer dahinter hat man wenig erfahren.
Als ich auf die Community Dunkelsüß gestoßen bin, habe ich nicht nur Bilder von Mädchen gesehen, die genauso aussahen, wie die, die ich in Düsseldorf getroffen haben, sondern ich war glücklich, eine Quelle gefunden zuhaben, die sich inhaltlich bis ins kleinste Detail mit dem Thema beschäftigt.

Foto 30166 von scarletsedusa

Du hast ja dann eng mit Scarletsedusa zusammengearbeitet. Wie war es für Dich, mit jemandem aus der Szene zu arbeiten?

Miriam: Für uns ist es unglaublich wichtig, egal mit welchen Themen wir uns befassen, dass wir ganz nah an der Szene und in der Szene sind. Wir wollen ja nicht nur an der Oberfläche kratzen und die Sensationslust von irgendwem befriedigen. Wir wollen die Menschen in ihrer Welt zeigen, wollen selbst verstehen, warum sie so leben, wie sie leben. Und wir wollen das dann auch für Außenstehende begreiflich machen. Wir wollen "ehrliche" Bücher realisieren und nicht die typischen Klischees bedienen. So habe ich auch erfahren, dass nicht alles Manga ist, was nach Manga aussieht. ^^
Ich war froh, dass sich Sandra (Scarletsedusa), die nach einigen Gesprächen Vertrauen zu mir gefasst hat, dazu bereit erklärte, bei dem Projekt mitzuwirken. Sie hat uns die Welt der Lolitas näher gebracht, uns geduldig jede Frage beantwortet und nicht zuletzt wichtige Kontakte zur Szene gemacht. Es hat Spaß gemacht mit Sandra zusammen zu arbeiten. Auch ihre Redaktionsbesuche waren immer ein Erlebnis.

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Unsere außergewöhnlichen Buchthemen führen natürlich immer auch optisch interessante Menschen zu uns. Aber Sandras Outfits waren trotzdem immer der Hingucker. Ich bin der Meinung, wir haben uns gut ergänzt und werden bestimmt weitere Projekte gemeinsam angehen.

Welches Label sagt Dir denn am meisten zu?

Miriam: Wenn es um die Kleidung geht, so wäre es wahrscheinlich Alice Auaa. Der dunkle, avantgardistiche und extravagante Stil ist einzigartig.

Wenn es um das vorhandene Bildmaterial geht, so gefällt mir jedes Label auf seine Art. Shades of Wonderland ist sehr vielfältig und präsentiert verschiedene Stile. Baby, The Stars Shine Bright mit seinen niedlichen und verspielten Motiven, Millefleurs /Mille Noirs die ihren klassischen und düsteren Stil perfekt in ihren Aufnahmen präsentieren oder auch Takuya Angels ausdrucksstarke Bilder, die seinen farbenfrohen Mix aus Tradition und Moderne zeigen.

Mit welchem Stil kannst du dich am besten identifizieren?

Miriam: Mir sagt der Gothic-Stil am meisten zu, ganz einfach weil ich persönlich auch gerne Schwarz trage. Es passt zu fast jedem Anlass und lässt sich immer gut kombinieren. Ausserdem hat diese düstere Mode etwas Geheimnisvolles.

Hand aufs Herz: nachdem Du Lolita so lange ausgesetzt warst, konnten wir Dich überzeugen?

Miriam: Ihr möchtet wissen, ob ich mir auch vorstellen könnte, als Lolita aus dem Haus zu gehen? NEIN. ^_~
Aber nachdem ich mich nun über ein Jahr lang intensiv mit der japanischen Mode und den Menschen dahinter – Macher & Träger - beschäftigt habe, kann man schon behaupten, dass ich "begeistert" bin. Japanische Street Fashion ist einfach etwas Besonderes und ich freue mich auch weiterhin, mich damit zu beschäftigen.

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Für dich waren die Labels nicht neu, konnte dich denn ein Designer besonders begeistern?

Sandra: Die Bilder von Vierge Vampur haben mich am meisten beeindruckt. Sie sind so schön düster und niedlich zugleich. Eben echt 'dunkelsüß'. An Akikos Designs mag ich besonders, dass sie eine andere Geschichte erzählen. Ihre detailliert inszenierten Bilder regen die Phantasie an. Aber auch einige andere Designer habe ich von einer neuen Seite entdeckt. Wie die Designerin von Innocent World zum Beispiel, die uns verrät wie sie bei der Inspirationssuche vorgeht oder Atelier Pierrot, zu denen wir inzwischen ein sehr persönliches Verhältnis entwickelt haben.

Wie war es für Dich, mit einem Verlag zu arbeiten?

Sandra: Ich habe ja schon mal einen wissenschaftlichen Artikel über Lolita für Cool Aussehen (Hrsg. Diana Weiss) geschrieben und weiß um den Druck, der in der Branche herrscht. Es war ein wenig wie Diplomarbeit schreiben: die Nächte durchmachen, am Wochenende beim Rollenspiel mit Laptop auf dem Schoß sitzen und arbeiten, ständig neue Ideen im Kopf und einige Deadlines. Nebenher dann auch noch mein regulärer Job.
Es hat aber auch viel Spaß gemacht! Ich habe viele Freiheiten bekommen und gerade die Arbeit mit Leuten außerhalb der Szene ist wertvoll. Ich beschäftige mich mit dem Thema Lolita seit 2002 und bin ständig in der Szene unterwegs, da entwickelt man einen Tunnelblick. Das Buch soll ja in der Szene ankommen, aber eben auch außerhalb unserer Welt begeistern können.

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Was war der Grund für dich an diesem Projekt teilzunehmen?

Sandra: Nun, mir liegt die Szene immens am Herzen. Wir bekommen regelmäßig Anfragen von Medien und naturgemäß reagieren wir mit Skepsis, denn sie suchen dann z.B. 'junges Mädchen - möglichst unter 20 - das Konflikte zu Hause hat oder zum ersten mal auf eine Convention geht'. Ein Lamm zum bloßstellen. Auch gibt es immer wieder große Pläne, aus denen dann aber nichts wird. Ausschlaggebend war für mich, dass der Verlag sich ehrlich interessiert für uns - die Designer und die Träger dieser Mode. An einem so riesigen Bildband mitarbeiten zu können, erschien mir dann schon verdammt cool!

Wie sieht deine Zukunft aus?

Sandra: Ihr werdet mich noch viel häufiger auf Conventions antreffen und natürlich gibt es in Zukunft auch mehr von mir zu lesen. =^__~=
In Miriam habe ich eine tolle Kollegin gefunden und wir werkeln schon wieder fleißig an den nächsten Projekten. Als erstes steht die Manga Comic Convention in März an, wo wir das Buch ganz frisch von der Druckerei vorstellen werden. Vorort könnt ihr euer Exemplar am Stand von MyCostumes in Halle 1 kaufen. Wer will kann das Buch auch von einigen der Teilnehmerinnen vorort signieren lassen.

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Shades of Wonderland

Die fabelhafte Welt japanischer Street Fashion
– von Miriam Loetz und Sandra Grimme

  • Erscheinungsdatum: März 2014
  • Hardcover, gebunden (werkbank030)
  • 504 S. farbig
  • Maße: 29,0 x 29,0 cm
  • Gewicht: 3,2 kg
  • ISBN: 978-3-942860-59-8
  • Preise: DE 49,99 € / CH 66,90 CHF / A 51,40 €

Bezugsquellen

  • Leipziger Buchmesse/ Manga Comic Convention:
    in Halle 1 am Stand von MyCostumes
  • Amazon

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