Rock mit einseitig verdecktem Reißverschluss


Hier findet ihr eine andere Version von einem Lolita-Rock. Es basiert auf einem gerafften Tellerrock mit einem einseitig verdeckten Reißverschluss.
Ich empfehle die Anleitung für Fortgeschrittene, weil der Reißverschluss etwas Übung und Erfahrung erfordert. Außerdem braucht man einen Reißverschlussnähfuß und die Nähmaschine sollte einen Knopflochstich haben.

Rockmaße

  • Länge: 50 cm
  • Bundweite: individuell abgestimmt
  • Bundbreite: 3 cm

Zutaten

Foto 2615 von quini
  1. 90 cm x 150 cm schwarzer Baumwollstoff
  2. 100 cm x 150 cm (bzw. 140 cm) Polkadotstoff aus Baumwolle
  3. 415 cm x ca. 0,5 cm weißes Satinband
  4. ein ca. 2 cm breiter Knopf
  5. Vlieseline
  6. ca. 15 cm langer Reißverschluss

Anmerkung:

Ich habe für diese Version eine relativ geringe Saumweite gewählt als sonst üblich.
Hier beträgt es gerade mal ungefähr 165 cm anstatt geläufig die mindestens 200 cm-Weite (nicht auf die Saumrüsche bezogen). Ich persönlich habe die Erfahrung gemacht, dass bei solchen Schnitten die normale Weite nicht schön fällt, sondern ein wenig in sich zusammen faltet.
Aber es kann sein, dass es nur auf mich bezogen ist und nicht ebenso für andere gilt.
Dennoch kann ich sagen, dass diese Saumweite auch reicht um den Rock die nötige Glockenform zu geben.
Die Rockmaße passen für eine Person mit einer Taille von 60 cm bis ca. 80 cm. Soll es noch drüber hinaus ausgewogen aussehen, dann muss man den oberen Umfang dementsprechend erweitern. Hier gilt die Faustregel, etwa die doppelte Länge an Stoff in Bezug zum Taillenumfang.
Der einseitig verdeckte Reißverschluss (RV) ist leider etwas knifflig und schwer allein mit Wörtern zu erklären. Ich empfehle euch auch Nähbücher durch zu lesen oder den RV gekaufter Röcke an zu schauen, das wird bestimmt viel zum Verständnis beitragen.

Anleitung

1. Zuschnitt

Als erstes schneidet ihr eine Schnittvorlage für den Rock aus, wie im folgendem Bild zu sehen ist:

Foto 2613 von quini
Die Zeichnung ist nur eine schematische, sie gibt nicht die korrekte Proportionen wieder.
Im Grunde besteht der Rock aus drei Kreisbögen, eins vorne und zwei hinten.
Der beiden hinteren Teile besteht je aus der Vorlage, während für das vordere die Vorlage an der Kante, wo der rote Fadenlaufpfeil ist, gespiegelt nochmals aufgelegt und dazugezeichnet wird.
An der oberen, kürzeren Kante wird eine Nahtzugabe von 2 cm und an der Rückennaht von den beiden Rückenteilen (Rückennaht = da wo der rote Fadenlaufpfeil ist) wird 2,5 cm dazu gegeben. Der Rest bleibt bei 1 cm Nahtzugabe.
Foto 2614 von quini
Auf Bild Nr. 2 sieht man ein Rückenteil des Rockes auf den doppelt gefaltenen Stoff, die rote Linie markiert den Umriss der Vorlage. Die vertikale Kante auf der rechten Seite ist die Rückennaht mit der 2,5 cm Nahtzugabe.
Für den Vorderteil muss man nur die vertikale Linie genau auf den Stoffbruch legen (Stoffbruch = gefaltete Spiegelachse des Stoffes) und dann entlang der Markierungen mit Nahtzugabe schneiden ohne die Stoffbruchkante durchzuschneiden.
Wenn man das Ganze aufklappt, hat man quasi die Vorlage doppelt nebeneinander. Bitte nicht den Fadenlauf vergessen, der muss vertikal durch den zugeschnittenen Stoff verlaufen.
Der Fadenlauf ist parallel zu den Seitenkanten des Stoffes.
Für die Rüschen werden dreimal 9,5 cm x 150 cm und dreimal 18 cm x 150 cm Streifen aus dem Polkadotstoff geschnitten.
Für den Bund wird zuerst der eigene Taillenumfang gemessen, dazu rechnet man 2,5 cm für den Knopfuntertritt (Untertritt = übergelappte Mehrlänge des Bundes, worauf der Knopf angenäht wird) und auch die an beiden Seiten dazugegebene Nahtzugabe.
Von dem restlichen Polkadotstoff schneidet man einen Rechteck mit 8 cm x errechnete Weite, in den 8 cm ist die Nahtzugabe enthalten.

Jetzt sollten folgende Teile vorhanden sein (siehe Bild Nr. 3):

  • zweimal Rockrückenteile
  • einmal Rockvorderteil
  • einmal Bund
  • dreimal schmale Rüschenstreifen (obere Rüsche)
  • dreimal breite Rüschenstreifen (untere Rüsche)

2. Nähen

Auf dem Bund und der obere Stück der Rückennahtseiten wird Vlieseline aufgebügelt. Der Bund vollständig, während bei der Rückennaht für jede Seite oben ein kleines Rechteck mit 5 cm x 20 cm aufgebügelt wird (sh. Bild Nr. 4). Dort kommt später der RV.
Foto 2605 von quini
Dann versäumt man die Kanten der Schnittteile, nur der Bund, die obere und unteren Kanten der Rockteile und die drei Streifen der oberen Rüsche bleiben unversäumt.
Als nächstes legen wir die zwei Rückenteile an der Rücknaht rechts auf rechts aufeinander und legen den RV oben an, wie auf Bild Nr. 5 zu sehen ist. Da wo die Zähne des RV enden, setzen wir eine Markierung und nähen von unten bis zur Markierung fest, siehe die rote Linie im Bild. Nicht vergessen, dass die Nahtzugabe 2,5 cm beträgt, sprich die Naht ist auch 2,5 cm von der Kante entfernt gesteppt worden.
Damit haben wir vorerst die beiden hinteren Teile zusammengenäht und nähen es rechts auf rechts an dem Vorderteil fest, so dass wir schon mal den Basisrock ohne die Rüschen haben.

Danach setzen wir uns an die Rüschen.
Die schmalen Streifen steppt man an den kurzen Kanten zu einem Ring zusammen, ebenso die breiteren Rüschenstreifen. Damit haben wir zwei Ringe, eins 9,5 cm und eins 18 cm breit. Die Kanten des breiten Ringes werden dann noch nach hinten umgeschlagen. Dort, wo die Unterkante wird, schlägt man den Stoff je für ca. 1 cm doppelt ein und steppt es fest. Die Oberkante wird nur für 2 cm einfach nach hinten umgeschlagen. Aber die Faltkante wird nicht festgesteppt, sondern mit einer Rüschennaht grob befestigt.
Die Rüschennaht wird im Gegensatz zu normalen Naht nicht vernäht (vernähen = am Ende und am Anfang mehrmals vor- und zurücknähen zum befestigen) und die Stichweite sollte möglichst groß und Fadenspannung so schwach wie möglich eingestellt sein.
Damit kann man, wenn die Naht durchgesteppt wurde, an einem Faden an einem Ende sanft anziehen, während man den anderen Faden festhält. Dadurch zieht sich der Stoff zusammen und man erhält Rüschen, wenn man den Stoff zurecht schiebt.
Man kann auch zweimal die Naht ansetzen zur Sicherheit, falls eine reißt. Aber die Stoffbahn noch nicht sofort rüschen, das kommt noch später, wenn es an dem Rock grob befestigt ist.
Dasselbe geschieht auch an den beiden langen Seiten der schmalen Rüschenbahn. Nun sollten vor uns der Basisrock, eine schmale Rüschenbahn und eine breite Rüschenbahn mit umgeschlagenen Kanten liegen.
Foto 2611 von quini
Im Bild sehen wir den Rock von der Seite, sprich die Seitennaht zeigt zu uns und links ist die Rückennaht.

Nun nehmen wir die schmale Rüschenbahn und befestigen es mit Stecknadeln auf dem Rock. Dabei verteilt man die Länge der Rüsche möglichst gleichmäßig auf der unteren Rockkante.
Eine Kante der Rüsche liegt genau auf der Rockkante und die Rüsche liegt auf dem Stoff auf. Wenn alles festgesteckt ist, zieht man vorsichtig an den Rüschenfäden und verteilt die Falten auf der gesamte Länge, sh. Bild Nr. 7 oben.
Man steppt oben fest, während die unteren Seite mit dem Rock zusammen versäumt wird, so dass beide auch zusammen vernäht sind.
Auf die oberen Kante näht man das weiße Satinband rund herum an, sh. Bild Nr. 7 Mitte.
Jetzt setzt man die breite Rüsche an die Rockkante an und steckt es fest, wie vorhin. Nur sollte etwa 2 cm der Rüsche noch auf dem Stoff liegen, während der Rest runterhängt.
Oder anders gesagt, die Rüschennaht der Bahn sollte auf der Kante des Rockes aufliegen, sh. Bild Nr. 7 unten.
Foto 2606 von quini
Ebenfalls die Fäden anziehen, Rüschen gleichmäßig verteilen, aufsteppen und auf die Naht das restliche Satinband befestigen.
Der Rock sollte nun so aussehen:
Foto 2612 von quini

Als nächstes folgt der RV. Dafür legen wir die Rückennaht so, wie auf Bild Nr. 9 zu sehen ist. Die offene Lasche zeigt nach rechts.
Man markiert eine gerade Linie auf der unteren Nahtzugabe, das ein paar Millimeter von der Naht nach innen versetzt ist, sh. rote Linie.
Foto 2607 von quini
An dieser Linie schlagen wir dann auch die untere Nahtzugabe nach hinten um und legen an dieser Kante den RV an. Dabei fixieren wir mit Nadeln die umgeschlagene Seite als auch den RV fest. Zu beachten ist, dass die Zahnleiste ein paar Millimeter vom Stoff entfernt sein sollte, Bild Nr. 10.
Foto 2608 von quini
Der Stoff sollte glatt an dem RV anliegen und sich nicht irgendwie verziehen. Je besser man es feststeckt, desto einfacher ist dann das Annähen.
Mit dem RV-Nähfuß steppt man so an wie möglich an der Stoffkante entlang, man fängt vom Ende der Rückennaht und geht bis nach oben hin, wobei man die eine Seite des RV-Ende etwas zur Seite verschoben annäht, Bild Nr. 11.
Nun messen wir den Breite der Zahnleiste ab und rechnen den Abstand dazu, wie auf der anderen Seite auch. In der Regel pendelt das dann um 1,5 cm als Endbreite.
Diesen Abstand zeichnen wir auf der oberen, gefaltenen Nahtzugabe auf und setzen auf Höhe der Rückennaht eine kleinen Querstrich zur offenen Lasche hin, sh. Bild Nr. 12.
Foto 2609 von quini
Darauf stecken wir diese Seite auch auf dem RV fest, dabei sollte die offene Lasche den RV verdecken. Bitte achten, dass keine Falten entstehen, nix verzieht und alles möglichst glatt wird.
Das artet oft als nervige Arbeit aus, weil es nicht auf Anhieb funktioniert. Aber hier gilt das Gleiche wie eben, je besser die Vorarbeit, desto einfacher wird das Nähen und es sieht nachher ordentlich aus.\\ Dann näht man entlang der aufgezeichneten Linie den RV an der oberen Nahtzugabe fest. Immer aufpassen, dass keine Falten oder Dellen mit eingenäht werden.
Die Naht am Querstrich wird mehrmals gesteppt, indem man einfach wieder zurücknäht und dann wieder vor. Dreimal sollten reichten und wenn ihr über die Zähne näht, besser mit Hand vorwärts bewegen anstatt über den Fußpedal.
Was auch noch knifflig ist, ist an dem Zipper vorbei zu kommen. Wenn man kurz davor steht, dann lässt man die Nadel im Stoff stehen, hebt den Fuß an und zieht den Zipper vorsichtig dran vorbei. Ist es vorbeigezogen, den Fuß wieder senken und den restlichen Stück, wie gehabt, weiter steppen, sh. Bild Nr. 13.
Damit wäre der RV angenäht und sollte etwa so ausschauen:
Foto 2610 von quini

Fehlt nur noch der Bund mit dem Knopf, vorher wird an der Rockkante noch eine Rüschennaht gesteppt und bis zur eigenen Taillenweite gezogen.
Man befestigt den Rock an dem Bund, Rock links- und Bund rechtsseitig. Dazu steht an der verdeckenden Seite des RV 1 cm Stoff über, während an der anderen Seite der Untertritt mit der Nahtzugabe rausragt, sh. Bild Nr. 15.
Foto 2602 von quini
Den Bund so an dem Rock annähen, dann längs in der Mitte knicken, alle übrigen Nahtzugaben nach innen einfalten und dann das Ganze nach vorne umschlagen, so dass der Rock vom Bund eingefasst wird.\\ Noch die offene Lücke an dem Rock zunähen, sh. Bild Nr.16, und der Bund ist auch fertig.
Auf dem Bund auf der Seite, wo das überlappende Teil des RV ist, wird mittig einen Strich gezeichnet, das 2,5 cm lang ist und vom Bund 1 cm entfernt ist, Bild Nr. 17.
Dort wird mit der Maschine eine Knopfloch genäht, die entstandene Lücke aufschneiden und auf dem drunter liegenden Untertritt den Knopf festnähen.
Foto 2604 von quini
Ein kleiner Tipp zum Knopfnähen:
Wenn es stabil genug an dem Stoff genäht ist, den Faden paar Mal zwischen Knopf und Stoff drum herum drehen und erst befestigen. Damit steht es ein wenig vom Bund ab und es lässt sich einfacher zu knöpfen.

Somit ist der Rock fertig.
Foto 2603 von quini

Varianten

  • Man kann natürlich die Rüschen nach eigenen Vorstellungen anders gestalten
  • Den Saum länger machen, indem man bei der Rockvorlage die 42 cm an Länge dazu gibt. Nur stimmen dann die anderen Zahlen unten nicht mehr (die 4 cm und die 18 cm). Man sollte dann darauf achten, dass der Rock an jedem Punkt 39 cm lang ist, der Rest ergibt sich von selbst.
  • Die Länge variieren, indem man die 39 cm-Angabe verändert
  • Dem Rock weitere Dekor-Elemente geben wie Schleifen, Spitzen, etc.

Viel Spaß beim Nähen und Tragen!
Fragen oder Kommentare bitte an Quini schicken, danke.


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