Rock mit Gummizug

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Hier seht ihr, wie man einen einfachen, schönen und preiswerten Lolita-Rock selbst nähen kann, auch ohne große Näherfahrung.
Die Anleitung sollte man aber nicht als die einzige und ultimativste ansehen, denn sicherlich kann man hier und dort was anders machen oder auch noch einfacher, wer weiß.

Ein paar Tipps vorweg:

  1. Die besten Stoffe sind Baumwolle oder auch Baumwollgemische, zumal sie am einfachsten zu verarbeiten sind und auch von der Optik her am besten passen.
  2. Baumwollstoff waschen, bevor genäht wird! Sie neigen dazu bei der ersten Waschung sich um etwa 10% einzuziehen, außerdem werden Pestizide und andere diverse Giftstoffe entfernt, was noch an dem Material haften könnte.
  3. Karstadt hat ein gutes und beständiges Sortiment, mit allem wichtigen, was man als Näherin braucht. Kurzwarenläden, sowie Karnevalsgeschäfte sind manchmal wahre Fundgruben, und ich empfehle wärmstens, Wochenmärkten oder auch Flohmärkten einen Besuch abzustatten.

Rockmaße

  • Länge: 48 cm (davon 8 cm Saumrüsche)
  • Rocksaum: 230 cm
  • Bundweite: individuell abgestimmt dank Gummizug
  • Bundbreite: 4 cm

Zutaten

  • 150x150 cm Stoff
  • Gummiband: Breite 1-1,5 cm, Länge hängt von Taille ab (folgt in der Anleitung)
  • Sicherheitsnadel

Sowie als Basisausrüstung:

Nähmaschine, Faden, Lineal (je länger, desto besser), Maßband, Stoffkreide oder auch Textmarker, Stecknadel

In der Regel kosten Baumwollstoffe mindestens 6 Euro und das Gummiband ein paar Euro, alles andere hat man meist schon zu Haus. Für alles zusammen bezahlt man um den Dreh 12 Euro.

Anleitung

Zuerst braucht man seine eigenen Maße von Taille und der breitesten Stelle der Hüfte. Zu der Hüftbreite addiert man noch 5 cm dazu, das wird dann die Länge des Bundes. Von der Taillenlänge wird zuerst 10 cm abgezogen und dann verdoppelt, das ist die Länge des Gummibandes, das jeweils zweimal im Bund durchgezogen wird. (Ergibt einen besseren Halt, als wenn es nur ein Gummizug ist.)

1. Zuschnitt

Falte den Stoff so auf, dass die linke Seite außen ist und die Webkanten (=Außenkanten der Stoffbahn) aufeinander liegen. Falls man nicht erkennt, welche Seite was ist: Die Stoffe werden in der Regel mit der rechten Seite außen verkauft.
Links ist meist auch matter als rechts und außerdem sind an den Webkanten häufig kleine Einstichlöcher oder ähnliches und dort wo sich die Löcher rau anfühlen, das ist die linke Seite.

An der Knickfalte der Bahn, auch Bruchkante genannt, wird ein Rechteck mit den Maßen 57,5 x 40 cm mit der Kreide oder Marker (vorher testen, ob die Farbe sich durch den Stoff färbt!) eingezeichnet (Bild 1).

Dann wird außen rum die Nahtzugabe von 1 cm aufgemalt, außer an der Bruchkante, weil das Rechteck direkt dran anliegt und diese Falte wird auch später nicht durchschnitten.

Man schneide diesen Teil aus und man erhält die eine Hälfte des Rockes, die aufgefaltet 117 x 42 cm inkl. der Nahtzugabe groß ist. Das wiederholt man nochmals, indem einfachhalber das geschnittene Stoffteil auf den Stoff auflegt, mit Nadeln grob fixiert und an den Rändern entlang ausschneidet. Die zweite, identische Hälfte ist ausgeschnitten.

Darauf folgen drei Bahnen für die Rüsche. Einfach 3 Rechtecke mit 150 (gesamte Breitseite des Stoffes) x 11 cm, Nahtzugabe ist schon dabei, hintereinander einzeichnen und ausschneiden.

Als letztes der Bund, das ist wieder nur ein Rechteck mit deiner Bundlänge + 2 cm Nahtzugabe und 10 cm Breite, am einfachsten zu schneiden, wenn du jetzt den Stoff auffaltest und einfach auslegst. Jetzt solltest du insgesamt 3 Rüschenbahnen, 1 Bund und 2 Rockteile haben (Bild 2; von links ausgehend).
Foto 987 von quini

2. Nähen

Zuallererst wird versäumt. Das heißt, die Ränder, die ausfransen können, werden mit mittlerer (schmaler als 1 cm) Zickzackstichbreite nah am Rand vernäht. Nur mit folgenden Ausnahmen: an den langen Seiten der beiden Rockteile, dem Bund und den kurzen Seiten der Rüschenteile, weil da schon die Webkante versäumt.

Man nehme dann 2 Rüschenbahnen, legt sie rechts auf rechts und näht zusammen und zwar so, dass die unschönen Einstiche oder ähnliches an den Webkanten hinter der Naht liegen.
Foto 981 von quini

Genauso mit Teil 3 und daraus ergibt sich eine lange Stoffbahn. Dann faltet man eine der langen Seiten 1 cm um, fixiert in Abständen mit Nadeln und näht drüber.
Foto 982 von quini

Nun wird auf der anderen Seite 2 Nähte nah beieinander, so nah wie möglich am Rand und mit loser Fadenspannung gemacht, wobei jeweils die Fadenenden nicht vernäht sind (Vernähen = vor- und zurücknähen zum Festmachen der Schnur). Dies dient zum Zuziehen der Rüsche.

Tipp:

Dieses Youtube Tutorial zeigt anschaulich den Schritt, wie man die Rüschennähte macht.

Jetzt folgt der Rockteil. An den kürzeren Seiten der beiden Teile rechts auf rechts auflegen und festnähen, so dass man eine breite Bahn erhält.
Foto 988 von quini

Dann steckt man den Anfang und Ende der Rüsche auf die beiden Enden einer der längeren Rockseiten und fixiert die Rüsche in regelmäßigen Abständen mittels Nadeln auf den Stoff. Damit befestigt ihr die zu rüschende Stoffbahn möglichst gleich verteilt entlang am Rocksaum. Dabei liegt die Soffbahn, das zur Rüsche wird, auf dem Rockstoff auf und zwar rechts auf rechts.

Darauf zieht man sanft an 2 Fadenenden, die sich auf der selben Seite befinden, so dass es sich kräuselt und schiebt das Gekräusel an der Rüschenbahn weiter, bis alles einigermaßen gleichmäßig verteilt ist.
Foto 978 von quini

Nun näht man es zusammen fest, wobei der Saum der Rüsche etwa 3-5 mm über dem des Rockes hinausragen sollte (Bild 1). Dann faltet man an der Naht zwischen Rüsche und Rock auseinander und streicht die Nahtzugabe der Rüsche nach oben über den Rockstoff, damit es auf dem Rock aufliegt. Die Zugabe wird dann knapp am versäumten Rand an dem Rockstoff angenäht. Dadurch fasst man die unversäumte Kante des Rockes ein. (Bild 2)
Foto 983 von quini

Es sollte nun wie folgt aussehen: Foto 989 von quini

Man schließt nun den Rock zu einem Ring zusammen und näht am oberen, unbearbeitenen Rand wieder diese Rüschennähte zum Ziehen an.

Der Bund selber wird auch zu einem Ring genäht, wobei aber die verbindende Naht nur knapp über die Mitte gehen sollte. Es wird von innen an dem Rock und zwar rechte Stoffseite (Bund) auf linke Stoffseite (Rock) angelegt und mit Nadeln festgesteckt, so dass der Rockstoff einigermaßen auf die Bundlänge verteilt ist.
Foto 984 von quini

Wieder sanft an den Fäden ziehen bis der Rock soweit gerüscht ist, dass es von der Länge auf dem Bund passt und es annähen (Bild 1). Man dreht das Ganze um, so dass man den Bund von der rechten Seite sieht und markiert auf der anderen, noch freien Seite des Bundes einen Abstand von 1 cm und faltet diese auch ein. (Bild 2)
Foto 985 von quini

Daraufhin wird der Bund nach vorn umgeklappt, damit die eben gefaltene Kante auf die Naht zwischen Bund und Rock aufliegt und der Bund wird festgenäht. (Bild 1) Zuletzt noch eine Naht quer auf dem Bund nähen, die es in 2 gleiche Tunnel einteilt.(Bild 2)
Foto 986 von quini

3. Endspurt

Fehlt ja nur noch das Gummiband.
Man schneide es in 2 gleich lange Teile, an einem wird die Sicherheitsnadel angebracht und es wird durch einen der beiden Tunnel durchgefädelt.
Bitte achtet drauf, dass das andere Ende nicht mit hinein rutscht! Dann beide Enden mit einem Faden zusammennähen wie auf dem folgenden Bild.
Foto 980 von quini

Bisschen den Bund auseinander ziehen, so dass der Gummi hineinrutscht und das Gleiche noch mal beim zweiten Tunnel.
Foto 979 von quini

Varianten

Das ist nur die Grundform eines Rockes. Natürlich könnt ihr es auch mit weiteren Stoffrüschen oder Spitze oder mit kleinen Deko-Elementen wie Schleifen verzieren. Den eigenen Vorstellungen sind keine Grenzen gesetzt. Auch die Rockmaße hinsichtlich Gesamtlänge und Rüschenbreite kann man individuell anpassen.

Viel Erfolg und Spaß beim Nähen!
Fragen, Anmerkungen oder Kommentare an Quini schicken, danke.


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