Nähtipps für anfangende Lolitas


26.06.2011, von Melwen

Dieser Artikel soll Euch helfen die ersten Nähversuche zu machen, wenn ihr noch nicht viel Erfahrung mit Lolita habt. Es gibt oft feine Unterschiede, die man erst nach einer Weile Beschäftigung mit dem Stil sieht und so bleibt Euch vielleicht erspart, dass ihr was näht, was Euch vielleicht in einem halben Jahr nicht mehr gefällt.

Es gibt natürlich jede Menge tolles Material von anderen, Ihr findet auch jede Menge Links hier bei Dunkelsüß. Aber bevor Ihr loslegt, vergesst mal alles, was Ihr bei Xtrax und Phaze gesehen habt und den Großteil davon, was es bei Ebay gibt.

Zuerst mal die allgemeinen Infos, die ihr hier auf der Seite findet: Was ist Lolita? und Die Lolita-Stile.

Seht Euch vielleicht auch an, was verschiedene Brands machen. Es muß nicht alles davon Lolita sein, nur weil es von einer bekannten Marke gemacht wird, aber es hilft dabei, eine Idee zu bekommen. Converse und Spaghettiträger kann man vielleicht unter gewissen Voraussetzungen in ein Outfit integrieren, wenn man aber noch nicht 100% stilsicher ist, geht's wahrscheinlich ins Auge.

Also gibt es hier ein paar Tipps für ein gutes Gelingen:

Lolita Outfits sind keine Kostüme!

Wenn jemand bei einer Artikelbeschreibung Lolita und Cosplay in derselben Zeile stehen hat, ist das zu 99% unseriös. Hersteller die alles machen, machen wahrscheinlich auch kein hochwertiges Cosplay. Wenn Lolita von Gothic-Läden verkauft wird, ist das meist auch nicht der hier beschriebene Stil. Gut Lolita ist keine richtige Alltagskleidung, aber z.B. eher mit einem Ballkleid zu vergleichen, bei dem man ja auch wert auf Qualität legt.

Lolita Mode muss nicht teuer sein, darf aber nicht billig aussehen.

Die Materialen sind der falsche Platz zum Sparen: Wir reden hier nicht von Seide und Pelz! Aber ein Kleid aus Ditte von Ikea sieht wesentlich weniger "billig" aus, als wenn man z.B. minderwertiger Faschings-Satin verwendet. Glänzende Materialen sollten überhaupt sehr vorsichtig eingesetzt werden!

Auch bei Spitze ist es besser bei der Menge als bei der Qualität zu sparen. Polyester Spitze ist ein No-Go. Wenn Ihr keine Quelle für günstige Häkel- oder Baumwoll-Spitze habt, könnt Ihr immer noch mit Rüschen und Volants aus Eurem Stoff arbeiten, bzw. einfach wenig Spitze sehr gezielt einsetzen.

Nicht alles in der "Gothic & Lolita Bible" ist auch Lolita.

In der Bible sind immer wieder Fotos von der japanischen Interpretation von Punk und Gothic. Lolita erkennt man mMn am leichtesten an der Form, die in den oberen Links beschrieben wird (Ausnahme EGA). Es gibt den Stil Punk-Lolita, aber das ist ein sehr schwerer Stil, der viel, viel Fingerspitzengefühl erfordert.

Die Rockform

Für alles außer Aristocrat muss ein Petticoat unter den Rock passen, der Umfang des Rocksaums liegt klassisch zwischen 2 und 3 Meter. Babydoll-Kleider mit hoher Taille werden oft auch ohne Petti getragen, es sollte von der Weite her aber trotzdem einer darunter passen. Die Rocklänge soll das Knie umspielen. Der Rock soll "glockenförmig" sein, hier ein paar Beispiele.
Dafür gibts noch eine Anleitung für eine ganz leichte Version für Nähanfänger.

Klassische Tellerröcke aus Viertel- oder Halbkreisen erinnern eher an ein 50ties Outfit und sind viel schwieriger zu kombinieren, dass der richtige Gesamteindruck erhalten bleibt.

Oberteile

Klassisch sind Blusen und "Cutsews", beides darf aber nicht zu tief ausgeschnitten sein. Cutsews, sind aus dehnbarem Stoff, hier ein paar Beispiele, wie ein Cutsew aussehen kann. Bei Blusen sollte ein Stehkragen oder ein runder Kragen verwendet werden, spitze Kragenformen passen wieder eher zu Aristocrat oder Punk Lolita. Puffärmel sind erlaubt, auch an Cutsews.

Für darunter

Ob Bloomers Mit Rüschen unter einem Rock/Kleid hervorschauen dürfen ist eine Streitfrage, im Zweifelsfall würd ich die Bloomers lieber eine Spur kürzer machen.
Mehrlagiger Bahnenpetticoat aus Tüll sollten auf keinen Fall unter dem Rock hervorlugen. Wenn es ein schöner eigens dafür gemachter Unterrock ist, ist es natürlich ok, falls er zum getragenen Rock passt.

Farben

Bei den Farben kommt es natürlich sehr darauf an, was ihr gerne habt, aber allgemein gilt: Weniger ist mehr! Rosa Kleidchen mit blauen Spitzen oder ein rot-schwarzes Kleid mit weißer Spitze brauchen viel Feingefühl bei der Abstimmung des restlichen Outfits.

Am einfachsten ist es, Ihr beschränkt Euch auf 2 Farben, wenn eine davon eine neutrale Grundfarbe wie z.B. schwarz, weiß, beige oder braun ist, wird es noch einfacher, ein stimmiges Outfit zu zaubern.

Ready-made

Hier muss man schon die richtigen Ausgangsmaterialen haben. Ein T-Shirt wird nicht zum Lolita-Kleidungsstück, weil man irgendwo Spitze drauf näht. Man kann aber durchaus Dinge, welche die richtige Form haben, verschönern, z.B. eine H&M Tasche wird mit Kameen und schöner Spitze und es hat mich alles zusammen weniger als 30EUR gekostet. Wenn man auf Materialen und Form achtet, kann man günstig wunderschöne Dingezaubern.

Viel Freunde an der Arbeit!


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